Wir vom Young Explorers Club begleiten Kinder seit 2018 in den Schweizer Alpen. Ihre Sicherheit beim Wandern hängt vor allem von vier Dingen ab: von der Wegwahl (T1 und T2 der SAC-Bergwanderskala), von einer Zeitplanung mit dem Faktor 1,5, von passender Ausrüstung und von der Aufsicht im Gelände. Das zeigt die Statistik: Über 90 % der rund 55 tödlichen Wanderunfälle pro Jahr sind Abstürze. Wir erklären zudem, wie Familien Wetter und Pausen einplanen. Im Notfall alarmieren sie die Rega unter der 1414.
Auf YouTube ansehenAbsturzgefahr: Das unterschätzte Risiko beim Wandern mit Kindern
Wandern ist ein Volkssport: 57 % der Bevölkerung sind auf Schweizer Wanderwegen unterwegs (BFU Sicherheitstipp Bergwandern). Im Vergleich zu anderen Sportarten gilt es als relativ sicher, aber nicht als risikofrei (bfu-Analyse, laut 20 Minuten). Die folgenden Zahlen betreffen alle Wandernden und sind keine Kinderstatistik. Sie dienen uns als Kontext für die Wandersicherheit für Kinder.
Zu Beginn der 2000er-Jahre gab es jährlich rund 17 700 Unfälle beim Bergsport und Wandern, heute sind es im Schnitt über 45 000 (bfu, Dossier «Wandern und Bergsport»). Der Grund: Immer mehr Menschen zieht es in die Berge, und ein langer, schöner Sommer lässt die Zahlen steigen. Das Risiko selbst hat sich laut bfu-Analyse nicht dauerhaft erhöht.
Tödliche Unfälle sind selten, aber fast immer Abstürze. Rund 55 Personen sterben jährlich beim Wandern und Bergwandern, über 90 % durch einen Absturz (bfu, Sicherheitsindikatoren Bergwandern, Erhebung 2025). Trotzdem wissen nur 11 % der Wandernden, dass steiles, exponiertes Gelände schwere Unfälle verursacht. Das ist jede neunte Person (bfu, Erhebung 2025, 1387 Befragte). Als Ursachen nannten 51 % schlechte Ausrüstung, 38 % fehlendes Können und 36 % mangelhafte Fitness. Wegwahl und Aufmerksamkeit zählen also genauso wie Schuhe und Rucksack.
Viele erkennen kritische Situationen, entscheiden aber nicht am sichersten: Zwei Drittel gehen trotz Angst weiter. Technisch anspruchsvolle Abschnitte (18 %) und Schneefelder (17 %) brachten einige an ihre Grenzen (Polizeinews Graubünden, Meldung zur bfu-Erhebung). Müdigkeit senkt die Trittsicherheit. Rasten, trinken und essen Sie regelmässig (bfu, Ratgeber Wandern und Bergwandern), und legen Sie bei Kindern früh Pausen ein. Mehr dazu finden Sie in unseren Tipps fürs Wandern mit den Kleinsten.
Bei plötzlichem Unwohlsein, Wetterumschwung oder anderen Schwierigkeiten gehen Sie kein Risiko ein und kehren rechtzeitig um (BFU Sicherheitstipp Bergwandern).

Die richtige Route: Welche Wanderwege für Kinder geeignet sind
Die Route muss zu den Fähigkeiten der Familie passen. Für die Wandersicherheit für Kinder eignen sich vor allem die einfachsten Kategorien der SAC-Bergwanderskala T1–T6. Hier beschreiben wir nur T1 und T2 (SAC, «Sicher unterwegs mit Kinder»):
- T1: gut ausgebaute Wanderwege, gelb markiert, mit Kindern jeden Alters problemlos begehbar.
- T2: durchgehendes Trassee, ausgeglichene Steigungen, meist weiss-rot-weiss markiert.
Einen Bergwanderweg erkennt ihr an den weiss-rot-weissen Spitzen der gelben Wegweiser. Lest die Wegweiser vor dem Start, denn die Spitzen zeigen die Kategorie. Solche Wege erfordern Trittsicherheit, Fitness und Schwindelfreiheit (BFU Sicherheitstipp Bergwandern). Sie sind teilweise steil, schmal und exponiert. Schwierige Touren geht ihr am besten zu zweit oder in der Gruppe (bfu, Ratgeber Wandern und Bergwandern).
Wanderwege sind für die schnee- und eisfreie Zeit gedacht (bfu). Bleibt zudem auf markierten Wegen, so lautet die SAC-Empfehlung 4 von 8. Einen Selbsttest und eine Planungs-Checkliste findet ihr auf sicher-bergwandern.ch (bfu).
Für den Einstieg bieten sich Hüttentouren an. Die SAC-Broschüre «Höhenflüge» beschreibt Wanderungen rund um 37 SAC-Hütten, alle im Bereich T1 bis T2 und schon im Vorschulalter problemlos begehbar (SAC, «Familienfreundliche SAC-Hütten»). Mehr Ideen findet ihr unter die besten Wanderwege für Kinder. Mit Themenwanderwegen für Kinder bleibt die Motivation unterwegs hoch.

Unterwegs: Aufsicht und Verhalten im Gelände
Kinder vergessen Anweisungen schnell und erkennen Gefahren oft nicht (DAV). Erwachsene wählen ihre Position deshalb bewusst. Lassen Sie Kinder nur in sicherem, überschaubarem Gelände vorausgehen, damit sie im Blick bleiben. Im Aufstieg gehen Sie direkt hinter dem Kind, um Ausrutscher abzufangen (DAV).
Der Abstieg ist riskanter: Laut 20 Minuten, mit Bezug auf die bfu, gab es 263 Todesfälle im Abstieg, doppelt so viele wie im Aufstieg. Bei Rutsch- oder Sturzgefahr nehmen Sie das Kind an die Hand und meistern kritische Stellen einzeln (DAV). Auf schwierigen Wegen empfiehlt der DAV ein Seilstück (9 mm, 10 m), auf T1-Wegen ist es kein Standard. Merken Sie sich: «Wenn es steil wird, wird es ruhig.» (familienleben.ch)
Die bfu rät bei Gruppenwanderungen zu guter Vorbereitung und genügend Aufsichtspersonen. Rekognoszieren Sie die Route vorab: Rastplätze, heikle Passagen, Absturzstellen, Handyempfang und Trinkwasser. Erste-Hilfe-Set, geladenes Handy und Notfallnummern gehören ins Gepäck. Wie unser Team für Sicherheit sorgt, lesen Sie auf unserer Sicherheitsseite.
Motivierte Kinder laufen konzentrierter. Der SAC nennt Rätselspiele, Fantasiegeschichten, Fernglas-Beobachtung und Geocaching. Studieren Sie vorab gemeinsam die Karte, das schärft das Gefahrenbewusstsein. Als Pause eignen sich Zapfen-Zielwurf oder Farbensuche (familienleben.ch). Wer älter ist, findet im Abenteuercamp für Jugendliche die nächste Etappe.

Planung: Zeit, Pausen und Wetter richtig einschätzen
Kinder gehen langsamer und brauchen mehr Pausen. Die Zeitplanung ist deshalb ein zentraler Sicherheitsfaktor. Der SAC nennt eine Faustregel × 1,5: Die normale Gehzeit für Erwachsene mal 1,5 ergibt die ungefähre Gehzeit mit Kindern. Dauert eine Wanderung für Erwachsene 2 Stunden, plant ihr rund 3 Stunden, noch ohne Pausen.
Baut stündliche Pausen ein und lasst Spielraum für Unvorhergesehenes (SAC). Pausen sind eine Sicherheitsmassnahme, denn Müdigkeit senkt die Trittsicherheit. Familienleben.ch empfiehlt 3–5 Minuten «Rucksack ab, trinken, tief atmen» und später eine längere Pause mit Spielen. Ein Hüttenaufstieg sollte laut Famigros nicht länger als 2 bis 3 Stunden dauern.
Bergwandern fordert Herz und Kreislauf. Der SAC betont deshalb gute Kondition und eine realistische Selbsteinschätzung. Achtet bei der Planung auf Wegkategorie, Zeitbedarf, Route und Wetter (BFU). Wer höher hinaus will, sollte Höhenkrankheit bei Kindern vorbeugen. Reist ihr mit dem ÖV an, rechnet lieber grosszügig (Beobachter).
Das Wetter entscheidet bei Familien oft über den Tag. Hitze, Gewitter und starker Wind belasten Kinder schnell. Bei instabilem Wetter plant ihr so, dass ihr früh wieder unten seid, und meidet exponierte Grate sowie lange offene Abschnitte (familienleben.ch). Der DAV rät, nie im Gewitter unterwegs zu sein und steinschlaggefährdetes Gelände unbedingt zu umgehen.
Merkt euch: früh starten, früh unten sein. Ein Wetterumschwung ist ein guter Grund, rechtzeitig umzukehren (BFU). Teenager mit Lust auf mehrtägige Touren finden im Tour-du-Mont-Blanc-Camp ein Beispiel dafür.

Ausrüstung: Was Kinder auf der Wanderung wirklich brauchen
Gutes Schuhwerk kommt zuerst. Der SAC empfiehlt für kleinere Kinder knöchelstützende Schuhe mit rutschfesten Sohlen, für überwiegend selbstständig wandernde Kinder Kinderbergschuhe. Gut eingelaufene Schuhe verhindern Blasen (Beobachter). Das zählt: Laut bfu-Erhebung 2025 nennen 51 % schlechte Ausrüstung als Ursache schwerer Unfälle.
Beim Rucksackgewicht gilt: höchstens 10 % des Körpergewichts, Fundstücke wie Steine eingerechnet (SAC, Beobachter). Ein Kind mit 25 kg trägt also maximal 2,5 kg. Der Elternrucksack muss gross genug sein, um das übrige Gepäck aufzunehmen.
Zur Pflichtausrüstung gehören laut SAC-Merkblatt «Sicher unterwegs» Regen-, Sonnen- und Kälteschutz, Tourenproviant und Notproviant, Getränke, Taschenmesser, Notapotheke und Taschenlampe. Die bfu ergänzt Sonnenschutz, ein geladenes Handy, die Rettungsdecke und aktuelles Kartenmaterial. Die Offline-Karte laden Sie vorab herunter, damit die Orientierung ohne Internet klappt (BFU). Eine ausführliche Packliste hilft beim Abhaken.
Kinder brauchen je nach Alter 1–1,5 Liter, Erwachsene 2–3 Liter (SAC). Wie Sie sauberes Trinkwasser unterwegs sicherstellen, lesen Sie separat.
Setzen Sie auf Schichtkleidung: Kinder erhitzen schneller, kühlen aber auch schneller aus. Bei Kleinkindern gehören eine zusätzliche Schicht, Sonnenhut und Sonnencreme auch bei mildem Wetter hinein (familienleben.ch).

Notfall in den Bergen: Rega alarmieren und richtig handeln
Die Rega erreichen Sie in der Schweiz unter Rega 1414, aus dem Ausland unter +41 333 333 333. Auch die Rega-App löst den Alarm aus, aber nur in der Schweiz und in grenznahen Gebieten. Im Ausland passen Sie die Einstellungen an.
Alarmieren Sie, wenn ein Rettungshelikopter sofort nötig ist, etwa nach einem Sturz aus grosser Höhe, bei mehreren Verletzten, eingeklemmten Patienten, schwer verletzten oder erkrankten Kindern oder ausgeprägter Atemstörung. Die Faustregel der Rega: Ist der Helikopter schneller da als andere Rettungsmittel, wählen Sie direkt die 1414. Eine «falsche Alarmnummer» gibt es nicht.
Notruf in 4 Schritten:
- Wo? Unfallort mit Koordinaten, Kanton, Ortschaft, Flurname, markante Punkte.
- Wer? Name und Rückrufnummer.
- Was? Was ist passiert, welche Verletzungen gibt es?
- Wie viele? Anzahl der betroffenen Personen.
Klappt der Anruf nicht, wechseln Sie den Standort oder wählen die 112. Reicht der Empfang nur knapp oder ist der Akku fast leer, geht ausnahmsweise eine SMS an die 1414. Ohne Netz hilft der Notfunk-Kanal (Funkgerät nötig).
Informieren Sie die Kinder vorab, wie sie sich beim Helikopteranflug verhalten:
- ungefähr 100 m Abstand zur Unfallstelle halten
- lose Gegenstände wie Kleider und Rucksäcke wegräumen
- beim Anflug am Standort bleiben und in die Knie gehen
- Augenkontakt zum Piloten halten
- sich erst bei stillstehendem Rotor nähern
Das Handy gehört geladen in den Rucksack, dazu Notfallapotheke und Rettungsdecke (bfu). Bei uns ist immer jemand mit Erste-Hilfe-Ausbildung vor Ort, und Eltern erreichen rund um die Uhr einen Notfallkontakt. Mehr zur Sicherheit in der Schweiz lesen Sie auf unserer Website.

Gut vorbereitet, sicher unterwegs
Sichere Wanderungen mit Kindern beginnen bei der Wegwahl: T1 und T2, genug Zeit mit dem Faktor 1,5 und regelmässige Pausen. Dazu kommen passende Schuhe, ein leichter Rucksack und eine aufmerksame Begleitung im Gelände. Wer die Rega-Nummer 1414 kennt und bei schlechtem Wetter rechtzeitig umkehrt, ist für die Berge gut gerüstet.
Bei uns im Young Explorers Club ist immer jemand mit Erste-Hilfe-Ausbildung vor Ort, und technische Aktivitäten leiten zertifizierte Guides und Instruktoren. Wenn euer Kind die Berge mit uns entdecken möchte, schaut euch unsere Camps in den Schweizer Alpen an.




